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VwGH: Ist der Stand der Technik (§ 12a WRG) bei allen bewilligungspflichtigen Vorhaben einzuhalten?

Der Stand der Technik ist bei allen bewilligungspflichtigen Vorhaben einzuhalten; eine Ausnahme vom Stand der Technik ist nur mehr dort möglich, wo das Gesetz dies ausdrücklich vorsieht

20. 05. 2011
Gesetze: § 12a WRG, § 104 Abs 1 lit b WRG
Schlagworte: Wasserrecht, bewilligungspflichtige Vorhaben, Stand der Technik

GZ 2009/07/0037, 17.06.2010
Der Bf bringt vor, dass die Einhaltung des Standes der Technik nach § 12a WRG alleine nicht ausschlaggebend für die Bewilligung eines wasserrechtlichen Projektes sein könne. Eine wasserrechtliche Bewilligung könne vielmehr nur dann versagt werden, wenn öffentliche Interessen oder bestehende Rechte iSd § 12 Abs 2 WRG dem Projekt entgegenstünden.
VwGH: Bereits zu § 12a WRG idF der WRG-Novelle 1990 hat der VwGH aus § 104 Abs 1 lit b WRG, wonach die Wasserrechtsbehörde Anträge auf Erteilung einer wasserrechtlichen Bewilligung zunächst insbesondere daraufhin zu untersuchen hat, ob die Anlagen dem Stand der Technik entsprechen, abgeleitet, dass eine wasserrechtliche Bewilligung nur erteilt werden darf, wenn die zur Bewilligung beantragten Anlagen dem Stand der Technik iSd § 12a WRG entsprechen. Die Bestimmung des § 104 Abs 1 lit b WRG ist ungeachtet der Modifizierungen der Bestimmung des § 12a WRG zum Stand der Technik unverändert geblieben.
Der Stand der Technik ist bei allen bewilligungspflichtigen Vorhaben einzuhalten. Dies folgt zum Einen aus der Judikatur des VwGH zu § 12a WRG idF der WRG-Novelle 1990 iVm § 104 Abs 1 lit b WRG. Zudem hatte nach den Materialien die Verankerung der Einhaltung des Standes der Technik bei allen dem WRG unterliegenden Wasserbenutzungen, Maßnahmen und Anlagen gem § 12 Abs 2 WRG idF der WRG-Novelle 1997 nur klarstellende Bedeutung.
Aus der Tatsache, dass die Anordnung des § 12a Abs 2 WRG idF der WRG-Novelle 1997, wonach die Behörde Ausnahmen vom Stand der Technik über Antrag genehmigen kann, ebenfalls entfallen ist, folgt indessen, dass eine Ausnahme vom Stand der Technik nur mehr dort möglich ist, wo das Gesetz dies ausdrücklich vorsieht.
Für den vorliegenden Fall der nachträglich beantragten Bewilligung einer bereits bestehenden artesischen Brunnenanlage bedeutet dies, dass nach den Bestimmungen des WRG ein Konsenswerber nur dann einen Rechtsanspruch auf die Erteilung der wasserrechtlichen Bewilligung hat, wenn diese - und sei es auch nur unter zahlreichen erschwerenden Nebenbestimmungen - keine fremden Rechte verletzt, keine öffentlichen Interessen beeinträchtigt (§ 12 Abs 1 WRG) und die Anlage dem Stand der Technik iSd § 12a leg cit entspricht. Der VwGH hat - wie bereits dargestellt - die Einhaltung des Standes der Technik bei wasserrechtlich bewilligungspflichtigen Vorhaben aus § 104 Abs 1 lit b WRG abgeleitet.
Bestimmt der Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft den Stand der Technik iSd § 12a WRG nicht in einer Verordnung nach § 12a Abs 2 WRG idF der WRG-Novelle 2003, ist diese Frage im Einzelfall mit Hilfe von Sachverständigen zu klären. Dabei können von den Sachverständigen als Grundlage für die Beurteilung des Standes der Technik neben - nicht auf § 12a Abs 2 WRG gestützten - Verordnungen des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft auch einschlägige Regelwerke, wie zB ÖNORMEN, als objektivierte, generelle Gutachten herangezogen werden.

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