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Verfahrensrecht

VwGH: Verletzung der Entscheidungspflicht – zur Frage des überwiegenden Verschuldens der Behörde

Falls die Behörde berechtigt gewesen wäre, das Verfahren bis zur rechtskräftigen Entscheidung der Vorfrage durch Bescheid auszusetzen, ist die durch das Abwarten der Vorfrageentscheidung bedingte Verzögerung nicht auf ein (überwiegendes) Verschulden der Behörde zurückzuführen

30. 01. 2023
Gesetze:   § 73 AVG, § 8 VwGVG, § 38 AVG
Schlagworte: Verletzung der Entscheidungspflicht, Säumnisbeschwerde, überwiegendes Verschulden der Behörde, Vorfrage, Aussetzung

 
GZ Ra 2022/01/0247, 24.11.2022
 
VwGH: Der VwGH hat in den Fällen der Verletzung der Entscheidungspflicht zur Frage des „überwiegenden Verschuldens der Behörde“ in stRsp ausgesprochen, dass der Begriff des Verschuldens der Behörde nach § 73 Abs 2 AVG bzw nach § 8 Abs 1 VwGVG nicht iSe Verschuldens von Organwaltern der Behörde, sondern insofern „objektiv“ zu verstehen ist, als ein solches „Verschulden“ dann anzunehmen ist, wenn die zur Entscheidung berufene Behörde nicht durch schuldhaftes Verhalten der Partei oder durch unüberwindliche Hindernisse an der Entscheidung gehindert war.
 
Falls die Behörde berechtigt gewesen wäre, das Verfahren bis zur rechtskräftigen Entscheidung der Vorfrage durch Bescheid auszusetzen, ist die durch das Abwarten der Vorfrageentscheidung bedingte Verzögerung nicht auf ein (überwiegendes) Verschulden der Behörde zurückzuführen.
 

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