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Verfahrensrecht

OGH: § 76 JN – zur Gerichtszuständigkeit iZm Ehescheidung

Der gewöhnliche Aufenthalt einer Person wird nur durch ihre körperliche Anwesenheit, nicht aber durch ein Willenselement bestimmt; er setzt dauerhafte, nicht nur vorübergehende Beziehungen zwischen einer Person und ihrem Aufenthalt voraus, die sich in einer bestimmten längeren Dauer und Beständigkeit des Aufenthalts äußern und sich auf objektiv überprüfbare Umstände persönlicher oder beruflicher Art gründen; eine Person kann danach ihren gewöhnlichen Aufenthalt auch an mehreren Orten haben; wird ein anderer als der allgemeine Gerichtsstand in Anspruch genommen, so hat der Kläger schon in der Klage ausdrücklich und konkret jene Tatsachen zu behaupten, die den besonderen Gerichtsstand begründen

14. 10. 2019
Gesetze:   § 76 JN, § 41 JN
Schlagworte: Streitigkeiten aus dem Eheverhältnis oder der eingetragenen Partnerschaft, besonderer Gerichtsstand, gewöhnlicher Aufenthalt

 
GZ 4 Ob 136/19g, 22.08.2019
 
OGH: Nach § 76 Abs 1 erster Satz JN ist für Streitigkeiten über die Scheidung […] das Gericht ausschließlich zuständig, in dessen Sprengel die Parteien ihren gemeinsamen gewöhnlichen Aufenthalt haben oder zuletzt gehabt haben. Hat zur Zeit der Erhebung der Klage keine der Parteien ihren gewöhnlichen Aufenthalt in diesem Sprengel […], so ist nach § 76 Abs 1 zweiter Satz JN das Gericht ausschließlich zuständig, in dessen Sprengel der gewöhnliche Aufenthalt der beklagten Partei […] liegt […].
 
Der gewöhnliche Aufenthalt einer Person wird nur durch ihre körperliche Anwesenheit, nicht aber durch ein Willenselement bestimmt; er setzt dauerhafte, nicht nur vorübergehende Beziehungen zwischen einer Person und ihrem Aufenthalt voraus, die sich in einer bestimmten längeren Dauer und Beständigkeit des Aufenthalts äußern und sich auf objektiv überprüfbare Umstände persönlicher oder beruflicher Art gründen. Eine Person kann danach ihren gewöhnlichen Aufenthalt auch an mehreren Orten haben.
 
Nur die Klagsbehauptungen sind gem § 41 Abs 2 JN der Zuständigkeitsüberprüfung zugrunde zu legen. Wird ein anderer als der allgemeine Gerichtsstand in Anspruch genommen, so hat der Kläger schon in der Klage ausdrücklich und konkret jene Tatsachen zu behaupten, die den besonderen Gerichtsstand begründen.
 
Erst im Rekurs gegen den Zurückweisungsbeschluss des Erstgerichts brachte der Kläger vor, trotz Kündigung der ehemaligen Ehewohnung im Sprengel des Erstgerichts benutze er diese nach wie vor.
 
Das Vorliegen notwendiger Zuständigkeitsvoraussetzungen ist grundsätzlich nicht von Amts wegen zu prüfen, sondern von den Parteien zu behaupten und unterliegt dem Neuerungsverbot.
 
In der Klage wurden jeweils Adressen der Parteien außerhalb des Sprengels des Erstgerichts angegeben. Ein Vorbringen dahin, dass eine der Parteien weiterhin ihren Aufenthalt in der bisherigen gemeinsamen Ehewohnung habe, findet sich in der Klage nicht. Das Vorbringen im Rekurs bzw Revisionsrekurs unterliegt dem Neuerungsverbot.
 
Da die Klagsangaben zur Beurteilung der Zuständigkeit vollständig waren, war kein Verbesserungsverfahren einzuleiten. Mangels entsprechender Angaben in der Klage hinsichtlich eines weiterhin im Sprengel des angerufenen Gerichts bestehenden gewöhnlichen Aufenthalts erfolgte die Klagszurückweisung iSd genannten Gesetzesbestimmung und der dazu ergangenen – oben zitierten – Rsp.
 
 

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