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Strafrecht

OGH: Falsche Verleumdungsanzeige des Angeklagten als Verteidigungsstrategie – Berücksichtigung bei Strafbemessung?

Anders als sein Aussage- und sonstiges Prozessverhalten im gegen ihn selbst geführten Verfahren ist die – außerhalb desselben vorgenommene – (aktive) Erstattung einer „Verleumdungsanzeige“ gegen das Opfer von vornherein kein Verteidigungsverhalten, durch dessen Wertung als erschwerend eine der angesprochenen Verfahrensgarantien konterkariert werden könnte

19. 02. 2019
Gesetze:   § 33 StGB, § 32 StGB, § 7 StPO, § 49 StPO, § 164 StPO, § 245 StPO, Art 6 EMRK
Schlagworte: Strafbemessung, falsche Verleumdungsanzeige, Verteidigungsstrategie

 
GZ 11 Os 108/18v, 11.12.2018
 
OGH: Dass dem Angeklagten aus seinem Verteidigungsverhalten im Strafverfahren prinzipiell (auch bei der Sanktionsfindung) kein Nachteil erwachsen darf, folgt aus dem – verfassungsrechtlich aus Art 6 Abs 2 EMRK abzuleitenden, einfachgesetzlich in § 7 Abs 2 erster Satz StPO ausdrücklich normierten – Verbot des Zwangs zur Selbstbelastung (nemo tenetur se ipsum accusare) und aus dem Recht des Beschuldigten, seine Verantwortung (überhaupt) frei zu wählen (§§ 49 Z 4, 164 Abs 1, Abs 4, 245 Abs 2 StPO). Anders als sein Aussage- und sonstiges Prozessverhalten im gegen ihn selbst geführten Verfahren ist die – außerhalb desselben vorgenommene – (aktive) Erstattung einer „Verleumdungsanzeige“ gegen das Opfer indes von vornherein kein Verteidigungsverhalten, durch dessen Wertung als erschwerend eine der angesprochenen Verfahrensgarantien konterkariert werden könnte.
 
 

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