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Wirtschaftsrecht

OGH: Zu „verdeckten Sacheinlagen“ und „unbaren Entnahmen“ bei Einbringungen

Ob zwischen der Bargründung und der dazu zeitnahen Sacheinbringung ein Umgehungszusammenhang indiziert ist, bedarf für die Verweigerung der Eintragung ins Firmenbuch eines weiteren Anhaltspunkts für ein Rückfließen der geleisteten Bareinlage an den einbringenden Gesellschafter

02. 10. 2017
Gesetze:   §§ 12 ff UmgrStG, § 16 UmgrStG, § 6 GmbHG, § 3 FBG, § 15 FBG
Schlagworte: Umgründung, Sacheinlage, Einbringung, Bargründung, Sachgründung, unbare Entnahmen, Kapitalerhaltung, Umgehungsgeschäft, Eintragung ins Firmenbuch

 
GZ 6 Ob 165/16g, 07.07.2017
 
OGH: Unter dem Begriff „verdeckte Sacheinlage“ versteht man Bareinlagen, die mit einem Rechtsgeschäft zwischen der Kapitalgesellschaft und dem einlegenden Gesellschafter in zeitlicher und sachlicher Hinsicht derart gekoppelt sind, dass - unter Umgehung der Sachgründungvorschriften - wirtschaftlich der Erfolg einer Sacheinlage erreicht wird, etwa weil die Barmittel umgehend als Entgelt für eine Leistung des Gesellschafters an diesen zurückfließen. Dies hat zur Folge, dass die außerhalb des Gesellschaftsvertrags (und ohne Einhaltung der Sacheinlagevorschriften) getroffene Sacheinlagevereinbarung der Gesellschaft gegenüber unwirksam ist und der Gesellschafter nicht von seiner (Bar-)Einlagepflicht befreit wird.
 
„Unbare Entnahmen“ iSd § 16 Abs 5 Z 2 UmgrStG bewirken eine nach der Einbringung zu erfüllende Verbindlichkeit der übernehmenden Körperschaft gegenüber dem einbringenden Gesellschafter. Werden diesem keine Anteile an der Gesellschaft gewährt, stellt diese Verbindlichkeit im Ergebnis ein Entgelt für die Sacheinbringung dar. Wurde die Kapitalgesellschaft kurz vorher als Bargründung errichtet, kann dies dazu führen, dass das bar aufgebrachte Gesellschaftskapital an den Einlegenden zurückfließt, wenn die Entnahme im eingebrachten Bargeld und anderen liquiden Mitteln keine Deckung findet.
 
Entnahmen iSd § 16 Abs 5 Z 1 UmgrStG hingegen mindern zivilrechtlich (jedenfalls auf den ersten Blick) bloß das Einbringungsvermögen und nicht das Vermögen der übernehmenden Körperschaft. Ob zwischen der Bargründung und der dazu zeitnahen Sacheinbringung ein bestehender Umgehungszusammenhang indiziert ist, bedarf deshalb für die Verweigerung der Eintragung ins Firmenbuch eines weiteren Anhaltspunkts für ein Rückfließen der geleisteten Bareinlage an den einbringenden Gesellschafter. Dieser kann zB darin liegen, dass eine Entnahme aus dem eingebrachten Einzelunternehmen fremdfinanziert wurde und die Erfüllung dieser Verbindlichkeit nach der Einbringung die übernehmende Körperschaft belastet. weil das eingebrachte Einzelunternehmen nicht in ausreichender Höhe über liquide Mittel verfügt.
 
 

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