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Zivilrecht

OGH: Kontaktrecht iSd §§ 186, 187 ABGB

Mag der nunmehr 12-Jährige auch von seiner Mutter beeinflusst worden sein, hat er doch ausgeprägt und zielgerichtet den Wunsch geäußert, seinen Vater nicht treffen zu wollen; angesichts des Scheiterns begleiteter Besuchskontakte und der eindeutig ablehnenden Haltung des Minderjährigen ist es kein unvertretbares Ergebnis ihrer rechtlichen Beurteilung, wenn die Vorinstanzen das vom Vater gewünschte 14-tägige unbegleitete Wochenendbesuchsrecht als dem Wohl des Kindes widersprechend angesehen haben

20. 09. 2016
Gesetze:   § 186 ABGB, § 187 ABGB, § 138 ABGB
Schlagworte: Familienrecht, persönliche Kontakte, Kindeswohl

 
GZ 5 Ob 129/16f, 25.08.2016
 
OGH: Die Entscheidung, ob und inwieweit einem Elternteil ein Kontaktrecht eingeräumt wird, ist eine solche des Einzelfalls, der keine erhebliche Bedeutung iSd § 62 Abs 1 AußStrG zuerkannt werden kann, wenn sie nicht leitende Grundsätze der Rsp verletzt. Ausschlaggebend ist die Orientierung am Kindeswohl. Im Konfliktfall hat das Interesse eines Elternteils gegenüber dem Wohl des Kindes zurückzutreten. Die Vorinstanzen haben den ihnen eingeräumten Ermessensspielraum im konkreten Fall nicht überschritten.
 
Die Situation ist durch den seit längerer Zeit anhaltenden Abbruch des Kontakts sowie die vehement ablehnende Haltung des im Juli 2004 geborenen Minderjährigen gegenüber seinem Vater gekennzeichnet. Versuche besuchsbegleitender Institutionen, einen begleiteten Kontakt zu ermöglichen, sind gescheitert. Nach der einvernehmlichen Regelung eines begleiteten, zweistündigen Besuchsrechts einmal im Monat fanden nur im Jänner und März 2013 zwei begleitete Kontakte statt. Bei den anderen Terminen weigerte sich der Minderjährige, aus dem Auto auszusteigen und das Besuchscafé zu betreten. Der jahrelange Konflikt der Eltern und die fehlende Kommunikationsbasis hat sich nach den Feststellungen der Vorinstanzen bereits negativ auf die Entwicklung des Minderjährigen ausgewirkt. Mag der nunmehr 12-Jährige auch von seiner Mutter beeinflusst worden sein, hat er doch ausgeprägt und zielgerichtet den Wunsch geäußert, seinen Vater nicht treffen zu wollen. Angesichts des Scheiterns begleiteter Besuchskontakte und der eindeutig ablehnenden Haltung des Minderjährigen ist es kein unvertretbares Ergebnis ihrer rechtlichen Beurteilung, wenn die Vorinstanzen das vom Vater gewünschte 14-tägige unbegleitete Wochenendbesuchsrecht als dem Wohl des Kindes widersprechend angesehen haben.
 
 

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